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Eine besondere Buchrezension

Lieber Eckhard,

so gern erinnere ich mich an Caras Taufe, die Du vor 3 Jahren in einem traumhaften Ambiente so zauberhaft gestaltet hast. Wir fühlten uns verbunden in der Fürsorge für dieses kleine Menschenkind, deren Geburt ich miterleben durfte. Ich habe mich schon damals darüber gefreut dass Du als Arzt auch Philosoph bist und ein Ehrendoktor der Theologie. Was für eine besondere Mischung.

An einem Abend dieser großen Taufzeremonie haben wir eine „Schlacht geschlagen“, wie ich es immer nenne. Über Geburt und Tod, über das Krankenhaussystem, Sensibilität, Ethik, merkwürdige Wege in der Medizin, persönliche Schicksale und wie man mit all den Erkenntnissen hinter den Kulissen klar kommt.

So wundert es mich nicht, dass Du genau dieses Buch schreibst – mit einer Freundin, als Gespräch, aus dem tiefsten Inneren. Chapeau!

Ich habe es gerade in meiner „Pause vom Leben“ auf einem Hausboot gelesen.

Ihr beiden, die so in der Öffentlichkeit steht, berichtet derart offen UND ehrlich UND emotional UND liebevoll wie ich es noch nie zuvor in diesem großen Thema gelesen habe.

Ihr schöpft aus Euren eigenen Erlebnissen – in denen Ihr Euch auch noch begleitet habt, aus Eurer Auseinandersetzung mit Medizin, Kultur, dem Zeitgeist und einem eigenen Verständnis von Menschlichkeit.

Ich weiß, was es heißt nach der Geburt lebensbedrohlich zu erkranken wie Frau Büdenbender – so habe ich schon viele Frauen in kritischen Zuständen postnatal begleitet. Auch Kinder zu verlieren, wie es Dir widerfahren ist, lieber Eckhard, lastet auf meinen Schultern. Meinen Eltern ist dieses Schicksal zwischen meinem Bruder und mir genau so passiert.

Das sind tiefe Tiefen, für die es gar kein richtiges Vokabular gibt und das man Menschen, die mit dem run des Mainstreams beschäftigt sind, nur schwerlich erklären kann.

Danke, dass Du so kritisch bist mit dem Umgang von final Erkrankten, Sterbenden und dem Thema Tod in der Medizin. Es hat doch ein anderes Gewicht wenn der Professor spricht. Mir persönlich tut es gut diese Skepsis geteilt zu wissen, mit der ich mich schon lange plage.

Ich bewundere Dich, wie Du es schaffst zwischen all diesen Welten, in denen Du ja wahrhaftig stehst, zu vermitteln – oder gar jonglieren zu können!

Es erscheint mir so, als ob die Wissenschaft contra Ethik wirkt, so lese ich es aus Eurem Buch heraus. Genau das ist wirklich schlimm, so entrückt der menschliche Aspekt immer weiter und offenbart einen zutiefst verunsicherten und erschreckten Bürger.

Ihr beide habt es geschafft im Glauben und im Vertrauen zu bleiben, Halt in Euch und Euren Familien zu finden. Ihr seid in Akzeptanz mit Eurem Schicksal, seid darin reflektiert, habt es verstanden. Das fühlt sich so gut und weise an – da bin ich als Leserin ganz beseelt.

Hängen geblieben bin ich an dem Gedanken des ARS MORIENDI, der Kunst des Sterbens. Hat es uns nicht gerade die Queen vorgemacht? Bis zum letzten Tag bewusst, an einen Lieblingsort zurückgezogen, alle Aufgaben erledigt, Punkt.

Aus meiner spirituellen Sicht würde ich natürlich noch gern räuchern, mit Homöopathie den Prozess lenken, die passende Musik für den Übergang wählen und Atmosphäre schaffen.

Apropos Übergang, was ja auch zu Eurer Themenbeleuchtung gehört. Ist es nicht möglich, dass der Tod durchaus ein leichterer sein kann als diverse Übergänge innerhalb des Lebens?

In meiner Vorstellung ist eine Nierentransplantation – durch den Tod hindurch – zurück ins Leben – der krassere Gang. Eine Grenzerfahrung zwischen allen Welten.

Viiiielen Dank für sooo viel Grossgeist. Ein Segen!

Herzlich, Imme